Joe Schwarz bewertet die Äußerungen von Herrn Grube

Meine Bewertung einiger Äußerungen von Herrn Grube:

  1. Ich finde erschreckend, dass man trotz offensichtlicher Überschreitung der Wirtschaftlichkeitsschwelle nicht auf die Idee kommt, das Projekt noch einmal in Frage zu stellen. Das hat mit seriöser Finanzpolitik nichts zu tun. Auf meine Frage hin gab H. Grube offen zu, dass die Bahn bei 4,8 Mrd. € die Wirtschaftlichkeitsschwelle erreicht sieht. Dem gegenüber stehen von neutraler Seite zwei Kostenzahlen mit mehr als 5,0 Mrd.€ im Raum. Einerseits die Berechnung des Bundesrechnungshofs vom Oktober 2008, von der Grube behauptet, er würde sie nicht kennen. Andererseits haben auch die unabhängigen Wirtschaftsprüfer der Schlichtung die offiziellen Kosten auf mind. 4,6 Mrd. € erhöht zuzüglich der Kosten für die S21PLUS- Maßnahmen (laut S21- Erfinder Prof. Heimerl 0,5 Mrd.€).
  2. Die 2-malige Behauptung Grubes, der heutige Bahnhof habe nur 5 Einzelgleise gegenüber 8 bei S21, ist eindeutig irreführend und geht nur auf einen Rechentrick zurück. Für K21 berücksichtigt man die 4 S- Bahn- Gleise nicht, verschweigt aber, dass zwischen Flughafen und der Rohrer Kurve ein viel kritischerer Mischbetrieb geschaffen werden soll. Viel entscheidender aber ist die Leistungsfähigkeit, die am Ende rauskommt. Für K21 ist nachgewiesen, dass 52 Züge in der Spitzenstunde abgewickelt werden können. Die 30%- Steigerung, die S21 in der Schlichtung 2 x deutlich verfehlt hat (max. 44 Züge), wären ohnehin nur 49 Züge. Das heißt, selbst bei „Bestehen“ im Stresstest kommt S21 an K21 nicht ran.
  3. Zu meiner Forderung, S21 und die Neubaustrecke nach Ulm getrennt zu betrachten, weil K21 auch mit der Strecke nach Ulm machbar wäre: Es ist klar, dass die schnellen intereuropäischen Strecken dafür geeignet sind, manchen Flug überflüssig zu machen. Aber es sind die Strecken und nicht die Bahnhöfe. Maximal 3 Minuten Fahrzeitgewinn durch den Tiefbahnhof in Stuttgart sind eben nicht relevant und werden deshalb auch nicht von der EU gefördert. Dieser Frage von mir ist Herr Grube im Übrigen ausgewichen.
    Kaum gestiegene Fahrgastzahlen im Fernverkehr trotz 80 Mrd. Investition zw. 1994 und 2009 sind zumindest ernüchternd. Das kann nicht bedeuten, nichts mehr in den Fernverkehr zu investieren. Aber weil das Rückgrat des Schienenverkehrs – mit gewaltigen Zuwachszahlen in den letzten Jahren – eindeutig Nah- und Regionalverkehr sind (auch finanziell!!), darf keine Investition für den Fernverkehr dieses „Rückgrat“ gefährden. Genau dies ist beim Tiefbahnhof S21 zu befürchten, siehe Thema Leistungsfähigkeit.

Johannes Schwarz

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