laaange Frühstückspost

von: Alex
 
Guten Morgen liebe Obenbleiber!
 
Soeben in den SWR 1 Nachrichten gemeldet:
Die Bahn entschuldigte sich inzwischen bei ihren Fahrgästen für die Ausfälle und massiven Verspätungen der letzten Tage.” Warum war es früher kein so großes Problem für die Bahn bei schwierigen Witterungsverhältnissen zu fahren? Aufschluß bietet ein hochinteressanter Artikel im Schwarzwälder Boten, der leider nicht online verfügbar ist. Darum habe ich ihn für Euch abgeschrieben:
  • “Der Winter legt alles lahm  Chaos-Tage bei der Bahn: Und wieder kapituliert das Unternehmen vor dem Wetter” von Markus Grabitz
Berlin. Wie sich die Zeiten ändern. Früher warb die Bahn noch mit dem Slogan: “Alle reden vom Wetter – wir nicht. DB”. Daran möchte heute niemand mehr in der Konzernzentrale erinnert werden. Der Bahnverkehr muß derzeit bundesweit mit heftigen Behinderungen kämpfen. Viele Züge fallen komplett aus. Verspätungen von 120 Minuten und mehr im Fernverkehr sind an der Tagesordnung. Die Bahn spricht von “witterungsbedingten Fahrzeugengpässen durch Schnee und Eis”.
Eigentlich eine Unverschämtheit. Das System Schiene ist nämlich sehr winterrobust.
Weiterlesen…
Ein Eisenbahnzug bringt mehrere Tonnen Gewicht auf die Schiene. Der Stahl der Räder wirkt mit der ganzen Masse auf den Stahl der Schienen. Da kommt so schnell nichts ins Rutschen.. Schnee und Glatteis können der Bahn kaum etwas anhaben. Eigentlich müsste die Bahn gerade in diesen Tagen ihre Trümpfe ausspielen können gegenüber ihrer Konkurrenz. […] Am Sonntag Nachmittag kapituliert sie vor dem Ansturm der Kunden. Sie wurden gebeten möglichst zu Hause zu bleiben. Im O-Ton: “Kunden, die ihre Fahrt nicht unbedingt antreten müssen, empfiehlt die Bahn, auf weniger nachgefragte Zeiten auszuweichen.” Mehr noch: Die Bahn bietet ihren Kunden an, bereits gekaufte Tickets ohne Stornokosten zurückgeben zu können. Und das sogar rund um das Weihnachtsfest, wo die Deutschen so viele Bahnkarten kaufen wie zu keiner anderen Jahreszeit. Dass die Bahn bei Minusgraden derartig ins Schleudern kommt, ist eine peinliche Vorstellung: “Die Bahn erklärt selbst ihren Bankrott”, schimpft SPD-Wirtschaftsexperte Garrelt Duin, wenn sie potenzielle Kunden von einer Bahnfahrt abrät.”
Dabei ist Tief Petra, das Deutschland das Winterwetter beschert, gar nicht so außergewöhnlich. Es passiert schon einmal, dass das Land um diese Jahreszeit unter den Einfluss einer Luftströmung gerät, die von Norden kommt und bis in große Höhen kalt und feucht ist. Dass sich die Wolken vor allem an den Mittelgebirgen entladen, ist auch kein Sonderfall. Im Schnitt hat ein deutscher Winter 17 Schneetage; davon sind jetzt zwar schon 16 verbraucht, aber im langjährigen Mittel kommt ein recht früher, starker Schneefall eben schon einmal vor. Die Wortschöpfung “Starkschnee” für Niederschläge dieser Tage ist also meteorologisch ebenso verfehlt wie “Jahrhundertwinter”. Es ist halt Winter, mehr nicht. Und die Bahn kommt damit nicht klar.
Seit Wochen kommen hunderttausende Pendler zu spät zur Arbeit. Geschäftsleute müssen Termine platzen lassen, Güter erreichen verspätet ihre Adressaten. Die ICE-Züge auf Hauptstrecken werden halbiert. Die Folge: Der Fahrgast fühlt sich an eine körperliche Enge wie in Bangladesch erinnert. Mit dem entscheidenden Unterschied, dass die Bahn hierzulande andere Preise verlangt.
Die Chaos-Tage bei der Bahn  haben handfeste Ursachen: Das Unternehmen hat falsche Züge angeschafft. Viele der Neuanschaffungen sind einfach nicht winterfest. Zum Beispiel: Bei den ICE sind die Lüftungsschlitze falsch konstruiert. Im letzten Winter schon hatte die Bahn die Erfahrung gemacht, dass die Lokomotiven durch die Schlitze Schnee ansaugen.
Jetzt soll die Lüftung zwar funktionieren, dafür machen die Achsen bei den ICE neue Probleme: Wegen spektakulärer Pannen waren die Wartungsintervalle drastisch verkürzt worden. Wenn die Wartung der Achsen ansteht, muss der Zug schon zu normalen Zeiten für sechs Stunden in die Werkstatt. Jetzt bei den Minusgraden dauert es fünf Stunden, bis mit der Wartung überhaupt begonnen werden kann. Die Züge müssen erst aufwendig abgetaut werden. Die Folge ist: Jedes mal, wenn eine Wartung ansteht, steht der Zug elf Stunden. Das erklärt so manchen Zugausfall.
[…]
Für die drastischen Verspätungen im Fernverkehr ist vor allem das Tempolimit verantwortlich. Am Sonntag waren die Züge höchstens mit 160 Stundenkilometern unterwegs, wo sonst bis zu 250 erlaubt sind. Seit gestern liegt das Limit immerhin wieder bei 200 Stundenkilometern. Die Bahn hat das Tempolimit verhängt, um Schäden am Unterboden der Züge zu verhindern, wenn am Fahrwerk festgefrorene Eisklumpen Schottersteine aus dem Gleisbett aufwirbeln. Der in Fachkreisen sogenannte Schotterflug muss aber nicht zu Schäden führen: Der Unterboden der Züge kann verstärkt werden, so dass die Schottersteine keine Schäden anrichten können. Den Aufpreis dafür scheute die Bahn aber offenbar.
Die Bahn macht “die extremen Wetterbedingungen” auch für Störungen an Schienen und Weichen verantwortlich. Kritiker verweisen darauf, dass hier Weichenheizungen für Abhilfe sorgen. Die Heizungen müssen aber funktionieren. Wenn sie dies nicht tun, dann deutet viel auf mangelnde Wartung hin. Personal wurde im großen Stil abgebaut. Früher, als die Weichen noch mechanisch arbeiteten, ging ein Stellwerk-Mitarbeiter zu Fuß zu einer nahe gelegenen Weiche und entfernte den störenden Klumpen Schnee. Heute werden die Weichen per Knopfdruck auf Distanzen von 200 Kilometern und mehr gestellt. Wenn eine Weiche ausfällt, ist so schnell nichts zu machen.
Warum schaffte es die Bahn früher, auch im Winter pünktlich zu kommen? Weil damals das Geld da war, um das System Schiene auch für jene wenigen Tage im Jahr zu rüsten, die etwas kälter oder etwas heißer sind. Der grüne Bahnexperte Anton Hofreiter formuliert es so: “Das Verkehrsministerium ist schuld, weil es dem Staatsunternehmen Bahn die falschen Vorgaben macht.” Kundennähe wäre die richtige Vorgabe, stattdessen gehe es vor allem ums Sparen.
 
 
Zur gestrigen Montagsdemo steht folgender Artikel in den Stuttgarter Nachrichten:
  • “Mehrere Tausend protestieren wieder”
Stuttgart – Mehrere Tausend Menschen haben am Montagabend in Stuttgart erneut gegen das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21 demonstriert. Nach Angaben der Polizei beteiligten sich vor dem Hauptbahnhof knapp 2000 Menschen an der letzten Kundgebung der Projektgegner in diesem Jahr. Die Veranstalter sprachen dagegen von rund 5000 Teilnehmern. Den Behörden zufolge gab es keine Zwischenfälle.
 
Dann noch ein Artikel zum Untersuchungsausschuß, in dem gestern u.a. der Theaterregisseur Volker Lösch befragt wurde:
  • Polizeifunk: “Nicht den vom Baum runterschießen” Stuttgart 21: Wie man den Wasserwerfereinsatz im Schlossgarten bewertet, ist auch eine Frage der Perspektive  von Arnold Rieger

Stuttgart – Dass Polizisten und Demonstranten den 30. September im Schlossgarten ganz unterschiedlich beschreiben, kommt häufig vor und liegt wohl in der Natur der Sache. Doch nirgends sind die Widersprüche so groß wie bei der Schilderung des Wasserwerfereinsatzes. Weiterlesen: http://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.untersuchungsausschuss-nicht-den-vom-baum-runterschiessen.20d477ad-f4b3-417d-8f10-f4d1ed9e4fa6.html

 
Und einen Leserbrief gibt es heute auch:
  • “Verzögerung spielt keine Rolle” von Peter Roelecke, Calw-Alzenberg
Betrifft: Leserbrief “sonst zahlen wir fast immer” von Dieter Labenski, Weinsberg
 
Ich gehöre zu den angesprochenen “Zeitgenossen”, die darüber nachdenken, wie man Geld nach Baden-Württemberg lenken kann: für einen leistungsfähigen und modernen Bahnhof in Stuttgart. Darum habe ich die Schlichtung aufmerksam verfolgt und beide Projekte S 21 (Untergrund-Durchgangsbahnhof) und K 21 (oberirdischer Kopfbahnhof) hinsichtlich ihres Kosten- / Nutzenverhältnisses genau verglichen. Während S 21 lange und teure Tunnelstrecken in Stuttgarts Innenstadt schlägt, schlängelt sich K 21 elegant um die Stadt herum – und kostet rund die Hälfte. Insofern hat der Leser Recht, dass weniger Geld in unser Ländle fließt.  Schon der alte Bahnhof besteht täglich den “Stress-Test”, und die K 21 Planer haben bewiesen, dass ihr neuer Bahnhof noch mehr leisten kann. Im Gegensatz zu den S 21-Bahnexperten, die sich nach 15 Jahren Vorbereitung jetzt auffordern lassen müssen, die Leistungsfähigkeit ihres Projektes nachzuweisen – mit unkalkulierbaren Mehrkosten zur notwendigen Aufrüstung auf S-21-Plus. Das Projekt K 21 hat nur einen Nachteil: es kommt zu spät! Wirklich zu spät? Spielen drei Jahre bei schon abgelaufenen 15 Jahren Planung für ein Jahrhundertwerk eine Rolle? Oder spielen die Kosten – wie beim Turmbau zu Babel – unabhängig vom Nutzen überhaupt keine Rolle? Nur damit es hier im Ländle unserer gar nicht notleidenden Wirtschaft zugute kommt?
 
Und kurz vor Weihnachten noch zwei wunderbare “Widerstandswerke”:
  1. Das Buch “Sprühregen” von Peter Franck:
    Peter Franck hatte eine Idee: Ein kleiner Bildband zum kreativen Widerstand gegen Stuttgart 21. Eine Sammlung, die so bunt und vielschichtig ist, wie der Widerstand selbst. Weiter Infos unter www.spruehregen.de

  2. (Ab)Wahl-Kalender zur Landtagswahl – ein kreativ gestalteter Widerstandskalender:
    Die erste Auflage unseres (Ab)Wahl-Kalenders / Wahl-Countdowns zur Landtagswahl ist bereits vergriffen – Die zweite Auflage wird Ende dieser Woche fertig sein. Hier das pdf des Kalenders zur Ansicht  
     http://www.unternehmer-gegen-s21.de/downloads/2010.12.14/Kalender_kastanie.pdf
     
     
Und als Betthupferl gibt es heute Abend um 22.50 Uhr wieder Urban Priols “Neues aus der Anstalt” im ZDF!!
 
Dann wünsche ich allen Nachtschwärmern und solchen, die es werden wollen einen schönen Tag. Sonnige Gedanken bei all den trüben Meldungen und bis heute Abend beim Schwabenstreich!
Trockene Füße Grüße aus dem Schneematsch
Alex
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